Die Bodenverhältnisse in Regensburg unterscheiden sich grundlegend zwischen der Altstadt auf den Kalkrippen des Jura und den quartären Füllungen entlang der Donau. Während im östlichen Stadtteil Reinhausen die Hochflutsedimente auf gering tragfähigen Auelehmen sitzen, trifft man in den Hanglagen von Kumpfmühl auf verwitterte Mergel mit völlig anderem Konsistenzverhalten. Genau hier setzen die Atterberg-Grenzen an: Sie zeigen uns, bei welchem Wassergehalt der bindige Boden vom halbfesten in den plastischen Zustand übergeht. Ein Bauherr, der im Donauvorland ein Mehrfamilienhaus plant, muss zwingend wissen, ob sein Baugrund bei Niederschlag aufweicht oder bei Trockenheit schrumpft. Die Bestimmung von Fließ- und Ausrollgrenze nach DIN EN ISO 17892-12 liefert die Kennwerte, die für die Gründungsdimensionierung nach EC 7 unverzichtbar sind. Wir haben in der Region schon Bohrkerne aus einer Tiefe von 8 Metern analysiert, bei denen die Plastizitätszahl um mehr als das Doppelte schwankte – zwischen der sandigen Deckschicht und dem liegenden Beckenton. Wer auf eine Korngrößenanalyse verzichtet, übersieht zudem den geologischen Fingerabdruck des Feinkornanteils, der die Atterberg-Werte erst interpretierbar macht.
Die Atterberg-Grenzen sind kein akademischer Wert, sondern die direkte Übersetzung des Bodens in ein Bemessungskonzept: Sie definieren, wann ein Lehm zum Problem wird.
