Beim Auffahren des Pfaffensteiner Tunnels zeigte sich eindrucksvoll, wie schnell unerwartete Hohlräume im ausgelaugten Gipskeuper den Zeitplan sprengen können. Das Regensburger Becken ist geotechnisch ein Flickenteppich: quartäre Donauschotter überlagern hier mächtige, oft verwitterte Ton- und Schluffsteine des Keupers, durchsetzt mit Sulfatgesteinen. Wer in der Donaustadt einen Tunnel in weichem Boden plant, muss diese Wechsellagerung präzise verstehen. Eine standardisierte Baugrunderkundung reicht nicht aus, wenn die Ortsbrust auf halber Strecke plötzlich in breiigen Residualton übergeht. Unsere Arbeit beginnt deshalb mit einer gezielten Analyse der Verformbarkeit und des Quellpotenzials – Parameter, die bei konventionellen Erkundungen in Regensburg häufig unterbewertet werden. Gerade in den südlichen Stadtteilen nahe der Donauauen erfordern gering tragfähige Auelehme eine Kombination aus verfeinerten Laborversuchen und numerischer Simulation, um Setzungen während des Vortriebs realistisch abzubilden. Ergänzend zur Tunnelanalyse liefert eine detaillierte Korngrößenanalyse die notwendige Basis zur Klassifizierung dieser heterogenen Sedimente nach DIN 18196.
Der entfestigte Keuper in Regensburg reagiert auf Wasserzutritt mit einem Abfall der Kohäsion um bis zu 70 % – ein kritischer Faktor für die Ortsbruststabilität.
